Im Mutterleib, Umstellung beim Neugeborenen

Kinderkardiologie

Leiter:
Prof. Dr. med. Sven Dittrich

Im Mutterleib, Umstellung beim Neugeborenen

Im Mutterleib gibt es einige entscheidende Unterschiede zum normalen Blutkreislauf, die einiger Anpassungen nach der Geburt bedürfen.

  1. Die Lunge ist noch nicht entfaltet oder belüftet, weswegen der Lungenkreislauf noch nicht geöffnet ist.
  2. Sauerstoffreiches Blut erhält der Fetus durch die Nabelvene in der Nabelschnur, die mit der Plazenta in Kontakt steht. Das Blut wird direkt dem rechten Herzen zugeführt.
  3. In der Herzentwicklung bilden sich im Vorhof zwei Septen (Wände). Im Mutterleib sind diese noch nicht miteinander verwachsen und liegen locker aufeinander. Hier herrscht im rechten Herzsystem noch ein höherer Druck als im linken Herzsystem, wodurch eines der Septen in Richtung des linken Vorhofs gedrückt wird. Es entsteht ein physiologisches Loch in der Vorhofscheidewand (das Foramen ovale). Hierdurch gelangt das Blut direkt in den linken Vorhof und somit unter Umgehung der Lunge direkt in den Körperkreislauf.
  4. Das Blut, welches trotzdem noch in die rechte Kammer gelangt wird über eine Kurzschlussverbindung zwischen der Lungen- und Körperschlagader, dem Ductus arteriosus, direkt in den Körperkreislauf weitergeleitet.

Umstellung beim Neugeborenen

Nach der Geburt öffnet sich durch die Entfaltung und Belüftung der Lunge der Lungenkreislauf. Der Druck im linken Herzsystem steigt drastisch an und ist nun deutlich höher als im rechten Herzsystem. Die beiden Septen zwischen den Vorhöfen werden aufeinandergepresst und verschmelzen schließlich. Das Foramen ovale, sowie der Ductus arteriosus verschließen sich innerhalb der ersten Lebenstage von alleine.