März 2014

Kinderkardiologie

Leiter:
Prof. Dr. med. Sven Dittrich

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Partner im Universitären Kompetenznetz für angeborene Herzfehler in Nordbayern,

recht kurzfristig nach unserem letzten Newsletter im Dezember 2013 möchten wir Sie mit dieser Ausgabe besonders herzlich zu unserem gemeinsamen Workshop des Universitären Kompetenznetz für angeborene Herzfehler in Nordbayern am 02. April 2014 einladen. Wie schon gewohnt, haben wir auch Beiträge über Personalveränderung und Neuerungen unserer stationären Versorgung angefügt: von unserem neuen Computertomographen, einer der ersten Installationen weltweit, erhoffen wir uns neben hervorragender Bildqualität in erster Linie eine weitere Dosisreduktion. Wir sind stolz, dass die Europäischen Fachgesellschaft für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie (EACTS) unsere Kinderherzchirurgie erneut mit einem Zertifikat ausgezeichnet hat, mit dem Beitrag über den kleinen Patienten mit Shuntendokarditis und dem kenianischem Mädchen unseres Kinderherz-OP Programms möchten wir Ihnen gerne weitere Einblicke aus unserer beiden Abteilungen geben.

Herzliche Grüße,

Ihre

Prof. Dr. med. S. Dittrich
Prof. Dr. med. R. Cesnjevar

Bild von Prof. Dr. med. S. Dittrich und Prof. Dr. med. R. Cesnjevar

Aktuelles

Workshop des Universitären Kompetenznetzes für angeborene Herzfehler in Nordbayern – ambulante und stationäre Behandlung

Am 02. April treffen sich die Mitglieder des Universitären Kompetenznetzes für angeborene Herzfehler in Nordbayern zum ersten Workshop im Jahr 2014 im Hotel HerzogsPark in Herzogenaurach.
Patientenorientierung als Qualitätsmerkmal soll diesmal die große Überschrift bei diesem Treffen sein. Im Detail wird u.a. über präoperatie Eigenblutspende, ärztliche Aufklärungspflicht und MRSA Eingangsscreening referiert.
Um 16 Uhr begrüßen wir alle Teilnehmer recht herzlich und beginnen mit unserer Vortragsreihe. Nach einem gemeinsamen Abendessen, bei dem gerne noch rege über die Themen des Abends diskutiert werden kann, endet die Veranstaltung.

Personalia

Verstärkung im Team der kinderherzchirurgischen Abteilung.

Seit Oktober 2013 verstärkt Frau Dr. med. Stany Sandrio das Team der kinderherz-chirurgischen Abteilung. Die gebürtige Indonesierin studierte an der medizinischen Hochschule Hannover und promovierte im Jahr 2010 zum Thema: „Koronare Revaskularisation mittels eines künstlichen Bypassmaterials mit mechanischem Konnektorsystem (Holly Graft)". Sie begann ihre herzchirurgische Ausbildung in 2010 am Universitätsklinikum Heidelberg. Mit hoher Lernbereitschaft und großer Motivation wechselte sie nach Erlangen und hofft auf Ihr Vertrauen im Rahmen der zukünftigen Zusammenarbeit.

Aus der Kinderkardiologie

Brandneuer Computertomograph: FORCE – CT

Im Februar 2014 wurde am Institut für Diagnostische Radiologie des Universitätsklinikums Erlangen mit dem Somaton Force erstmals ein Computertomograph der 3. Generation der sogenannten Dual-Source-Computertomographie (DSCT) installiert.

Bei den DSCT-Geräten ermöglichen zwei um etwa 90° versetzt rotierende Röntgenröhren mit gegenüberliegenden Detektorsystemen im Vergleich zu den herkömmlichen Spiral-Computertomographen eine annähernde Halbierung der Aufnahmezeit. Zusammen mit einer hohen Tischgeschwindigkeit erlaubt diese Technologie eine sehr gute zeitliche Auflösung. So kann während eines einzigen Herzzyklus das gesamte erforderliche Datenmaterial akquiriert werden, die Untersuchungsdauer liegt deutlich unterhalb einer Sekunde.

Durch Verwendung der neuesten DSCT-Technologie erlaubt das Somatom Force eine weitere Verkürzung der Untersuchungsdauer bei gleichzeitiger Minimierung von Bewegungsartefakten, so dass eine Sedierung auch sehr unruhiger Patienten nicht mehr erforderlich sein wird. Hilfreich sind hierbei auch neuartige Fixationshilfen, die eine zuverlässige und atraumatische Immobilisation der pädiatrischen Patienten auf dem Untersuchungstisch ermöglichen.

Die technische Weiterentwicklung der Röhren-Detektor-Systeme sowie die Verwendung neu entwickelter Spektralfilter ermöglicht zudem eine relevante Reduktion der Strahlendosis, so dass der in der pädiatrischen Bildgebung sehr bedeutsame Strahlenschutz eine besondere Berücksichtigung erlangt.

Die neu entwickelten Vektron-Röntgenröhren des Somatom Force ermöglichen zudem erstmals die routinemäßige Verwendung von niedrigen Röhrenspannungen. Die nun bei der pädiatrischen Herzbildgebung verwendbaren 70kV-Protokolle erlauben bei verbessertem Kontrast zu Rausch Verhältnis eine Reduktion der zu verabreichenden Kontrastmittelmenge bei gleichzeitig verbesserter räumlicher Auflösung und höherer Detailerkennbarkeit. Schon mit dem Vorgängermodell, dem Flash – CT, erreichten wir eine effektive Dosis von 0,5 mSv, wir gehen nun von einer weiteren Dosisreduktion aus.

Zusammenfassend steht uns mit dem Somatom Force erstmals ein Computertomograph neuester Generation zur Verfügung, welcher bei unübertroffen kurzer Untersuchungszeit eine hohe Bildqualität bei minimierten Bewegungsartefakten, deutlich reduzierter Strahlendosis sowie relevanter Verringerung der erforderlichen Kontrastmittelmenge ermöglicht. Die hochaufgelösten Datensätze sind von unschätzbarem Wert, vor allem zur Operationsplanung von komplexen Herzvitien.

Shuntendokarditis – der interessante Fall

Wir möchten Ihnen über einen kleinen Patienten berichten.
Im Alter von 12 Tagen kam es bei Trinkunlust und starkem Schwitzen sowie angestrengter Atmung zur Vorstellung beim niedergelassenen Kinderkardiologen Dr. Wilken, der folgende Diagnose stellte: Doubleinlet left ventricle mit Transpositionsstellung der großen Gefäße, unterbrochener Aortenbogen vom Typ B. Notfallmäßig wurde er im Klinikum Hof aufgenommen, stabilisiert und von uns bei kardiogene Schockzustand mit dem Hubschrauber abgeholt.

Am 16. Lebenstag erfolgte die Norwood I Operation und Anlage eines 3,5 mm BT –Shunts. Der postoperative Verlauf gestaltete sich zunächst komplikationslos. Am 5. Tag postoperativ kam es zur klinischen Verschlechterung mit Anstieg der Entzündungsparameter und Fieber. Im Katheter-Urin sowie am zuvor gezogenen zentralvenösen Katheter konnte mikrobiologisch Enterococcus faecalis nachgewiesen werden, woraufhin eine Therapie mit Piperacillin und Tazobactam erfolgte. Im weiteren Verlauf kam es immer wieder zu Episoden mit Sättigungsabfällen bis 40%, weshalb am 10. postoperativen Tag eine Herzkatheteruntersuchung (HKU) durchgeführt wurde. Eine Enge im BT-Shunt konnte durch Ballondilatation behoben werden. Die Sauerstoffsättigungen waren im Anschluss stabil >75%.

Nach Absetzten der Antibiose kam es jedoch zu einem erneuten Fieberanstieg und Nachweis von Enterococcus faecalis in den Blutkulturen. Eine antibiotische Therapie mit Unacid erfolgte für 10 Tage. 9 Tage nach der Entlassung erfolgte eine ambulante Kontrolle beim niedergelassenen Kinderkardiologen, da der Mutter zu Hause niedrigere Sauerstoffsättigungen aufgefallen sind.

In der Praxis zeigten sich pulsoxymetrisch Sättigungsabfälle teilweise bis auf 55%, weshalb die Einweisung in die Kinderkardiologie erfolgte. Klinisch wies der Junge kein Fieber, jedoch geringgradig erhöhte Entzündungsparameter sowie ein abgeschwächtes Atemgeräusch rechts basal auf. In der Echokardiographie ergaben sich keine richtungsweisenden Befunde, deshalb wurde eine Kardio-CT durchgeführt. Die Bildgebung ergab keine Ursache für die Sättigungsproblematik sowie keinen Hinweis auf Stenose des BT-Shunts, jedoch eine Dystelektase rechts pulmonal. In der folgenden Herzkatheter-untersuchung fielen hierbei mehrere inhomogene Lumenaussparungen im BT-Shunt auf, wobei er von seiner äußeren Kontur obstruktionsfrei zu sein schien.

Eine Ballondilatation des Shunts erfolgte, nach welcher die Lumenaussparungen nicht mehr sichtbar waren, zusätzlich wurde ein 16 mm langer 3,5 mm Driver-Koronar-Stent in den Shunt implantiert. Während der HKU erfolgte die Abnahme von mehreren Blutkulturen aus der Pulmonalarterie, der oberen Hohlvene und dem linken Ventrikel. Alle Blutkulturen ergaben erneut innerhalb von 24 Stunden einen positiven Nachweis von Enterococcus faecalis. Die weichen Auflagerungen im Shunt erwiesen sich so retrospektiv als das Korrelat einer Shunt-Endokarditis mit Enterococcus faecalis.
Es erfolgte eine antibiotische Therapie mit Augmentan laut Resistogramm und die Heparinisierung des Patienten. Die Antibiose wurde für insgesamt vier Wochen i.v. durchgeführt, sodass der Patient seine interstage-Phase stationär verbrachte.

Die Glenn Operation wurde zwei Wochen vorgezogen, im Shunt lies sich noch DNA des Erregers nachweisen, eine Anzucht gelang nicht mehr.

Postoperativ wurde die Antibiose noch 2 Wochen weitergeführt und der Junge im besten Allgemeinzustand in die ambulante Betreuung entlassen.

Aus der Kinderherzchirurgie

Spitzenposition in der europäischen Kinderherzchirurgie

Am Universitätsklinikum Erlangen sind Kinder mit komplexen Herzfehlern in den besten Händen. Die Kinderherzchirurgische Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Robert Cesnjevar) wurde jetzt von der Europäischen Fachgesellschaft für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie (EACTS) erneut mit einem Zertifikat ausgezeichnet.

Der EACTS-Auditor Dr. Radek Jaworski aus Warschau war mit dem Ergebnis seiner dreitägigen Begutachtung zufrieden: Im vergangenen Jahr wurden alle 296 kinderherzchirurgischen Eingriffe in Erlangen lückenlos dokumentiert. Bei der Behandlung von Neugeborenen kam es trotz komplizierter Operationen zu keinem Todesfall. Im Vergleich zum Vorjahr konnten die Erlanger Kinderherzchirurgen die ohnehin niedrige Mortalität nach einer Herzoperation bei älteren Kindern trotz einer Zunahme von komplexen Erkrankungen um 20 % auf nur noch 1,3 % senken.

"Damit belegen wir im europäischen Vergleich wieder eine Spitzenposition", sagte Prof. Cesnjevar.

Dr. Jaworski analysierte die kompletten Datensätze aller 2012 in Erlangen am Herzen operierten Kinder. Die Operationsergebnisse wurden in der EACTS-Datenbank in Warschau hinterlegt und stehen nun anderen Kinderherzzentren zum Vergleich zur Verfügung. Während in Deutschland nur knapp 50 % der Kinderherzzentren ihre Qualitätsdaten in der Datenbank veröffentlichen, sind es beispielsweise in Polen 100 %. Der Grund: "In Polen ist es Pflicht, seine Operationsergebnisse in die EACTS-Datenbank zu übermitteln, anderenfalls wird die Operation von den Krankenkassen nicht vergütet", sagte Dr. Jaworski. Er wünscht sich, dass immer mehr deutsche Kinderherzzentren freiwillig dem Erlanger Beispiel folgen. "Aus dem Vergleich mit anderen Zentren können Schwächen erkannt und beseitigt werden", weiß der Warschauer Kinderherzchirurg.

Prof. Cesnjevar freute sich mit seinen für das Qualitätsmanagement zuständigen Mitarbeitern Dr. Ariawan Purbojo und Johannes Rösch über das äußerst positive Resultat der EACTS-Begutachtung und betonte, dass die hohe Behandlungsqualität nur dank guter Teamarbeit möglich gewesen sei: "Die Strukturen und die personelle Ausstattung des Uni-Klinikums Erlangen sind eine optimale Basis für das reibungslose Zusammenspiel von uns Kinderherzchirurgen, den Kinderkardiologen und Intensivmedizinern unter Leitung von Prof. Dr. Sven Dittrich sowie den Anästhesisten unter Leitung von Prof. Dr. Dr. h. c. Jürgen Schüttler."
Die European Association for Cardio-Thoracic Surgery (EACTS) engagiert sich seit 1986 auf europäischer Ebene für die Herz-Thorax-Chirurgie. Rund 3.000 Chirurgen, Kardiotechniker und verwandte Gesundheitsberufe sind Mitglieder der Fachgesellschaft mit Hauptsitz in Windsor (Großbritannien). In Warschau verwaltet die EACTS eine Datenbank mit weltweit 150.000 dokumentierten Kinderherzoperationen.

Kinderherz-OP

Leben spenden

Abigael ist ein junges und sehr fröhliches Mädchen. Wüsste man es nicht, so würde man ihr äußerlich nicht anmerken, dass sie am Herzen erkrankt ist. Jedoch ist die Klappe ihrer Lungenschlagader stark verengt. Durch eine herzchirurgische Operation könnte dieses Problem behoben werden. Andernfalls droht ihr eine zunehmende Herzschwäche, welche sie schon in verhältnismäßig jungen Jahren ihre Gesundheit und sogar ihr Leben kosten kann. In Deutschland gibt es alle Möglichkeiten eine solche Operation durchzuführen.

Soweit so gut. Worauf warten wir also noch? Abigael kommt aus Kenia. Dort hat sie bereits zweimalig einen Herzkathetereingriff zur Aufdehnung der Klappe erhalten, aber es brachte nicht den gewünschten Erfolg. Für die vielversprechendere Herzoperation benötigt sie jetzt Hilfe aus dem Ausland. Es ist schon ein großes Geschenk für sie, überhaupt nach Deutschland kommen zu können. Die umfangreichen Kosten einer Herzoperation übersteigen aber bei weitem die finanziellen Möglichkeiten der Familie.

In Zeiten ungeahnter medizinischer Möglichkeiten wächst der Wunsch nach deren gerechter Verteilung. Dieses humanistische Ideal kollidiert jedoch sehr oft mit der strengen Welt der Wirtschaftlichkeit.
Dieser Konflikt wird den Menschen der Industrieländer umso bewusster, wenn sie die Kluft zu ärmeren Ländern sehen. Dort wünschen sich viele Menschen Hilfe und hierzulande wollen viele diese Hilfe geben. Gleichzeitig besteht der Wunsch, dass dieser Beitrag z.B. in Form einer Spende auch wirklich dort ankommt, wofür er gedacht ist. Umso anonymer und ferner die Wege, desto größer die Zweifel.
Abigael gibt dieser Situation ein konkretes Gesicht. Unsere Aktion „Kinderherz-OP Erlangen" schlägt seit Jahren erfolgreich und vertrauensvoll die Brücke zwischen herzkranken Kindern aus dem Ausland und Spendern in Deutschland. Die Satzung dieser Aktion garantiert, dass Ihre Spende ausschließlich für die Behandlung verwendet wird und Transparenz unter Einbezug der Öffentlichkeit gewahrt wird.
Bei Abigael übernahm Bild hilft dankenswert komplett die Kosten der Operation.

Das Mädchen wurde erfolgreich am 04. März 2014 bei uns operiert.

 
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