Dezember 2015

Kinderkardiologie

Leiter:
Prof. Dr. med. Sven Dittrich

Unterstützung für unser Team

Neuer Arzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Kinderkardiologie

 

Kompetenz in Wissenschaft, IT und Studiendesign

Mit Herrn Dr. med. Christoph Kaltwasser kam zum Anfang Dezember 2015 ein erfahrener wissenschaftlicher Mitarbeiter und Medizinischer Informatiker in das Team der Kinderkardiologie. Als Studienarzt ist er Beauftragter für die L.I.S.A.-Studie in der die Lebensqualität von Kindern und Eltern nach Herz-OP gemessen und der Einfluss von Interventionen wie Krankengymnastik, Psychotherapie oder einer Familienorientierten Rehabilitation (FOR) auf die Lebensqualität evaluiert wird.

Des Weiteren ist er für die Betreuung und Schulung von zahlreichen Doktoranden und Wissenschaftlichen Hilfskräften mitverantwortlich.

Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in der Bildgebung und Bildverarbeitung sowie in der Signalverarbeitung und dem Einsatz von Rechnern in der Medizin und in der Forschung.

Weiterbildung in der Kinderkardiologie

Wir freuen uns, unsere Kollegen Dr. Julia Halbfaß und Dr. Franz Herrndobler zur bestandenen Prüfung für die Schwerpunktbezeichnung  zum Kinderkardiologen gratulieren zu können.
Im Oktober stellten sich beide dem Kolloquium in München vor der Bayerischen Landesärztekammer und bewiesen ihre fachliche Schwerpunktkompetenz.

Das Team der Kinderkardiologie beglückwünscht beide herzlich zur Erlangung ihrer Zusatzqualifikation für Kinderkardiologie!

Habilitation Dr. André Rüffer

Erfreulicherweise konnte Dr. André Rüffer, Oberarzt der Kinderherzchirurgischen Abteilung, im Mai 2015 seine Habilitation zu einem erfolgreichen Ende führen. Im Rahmen seiner Forschung fokussierte er sich vorwiegend auf die myokardiale Protektion und hämodynamische Optimierung im Rahmen von kongenitalen Aortenbogenoperationen. Bei der „Beating-Heart-Methode“ werden die Koronararterien über einen separaten Pumpenkreislauf kontinuierlich mit oxygeniertem Blut versorgt, so dass bei diesen z.T. komplexen Eingriffen weitestgehend auf einen kardioplegischen Herzstillstand verzichtet werden kann. In seiner Arbeitsgruppe wurde dieses Verfahren durch die „selektive Myokardperfusion“ so optimiert, dass der zerebrale und myokardiale Blutfluss getrennt voneinander reguliert werden kann. Entsprechend der individuellen Organanforderungen kann so der jeweilige Blutfluss zum Zielorgan selektiv angepasst werden. Für die Korrektur intrakardialer Vitien ist bisher jedoch ein kardioplegischer Herzstillstand unumgänglich, was in der Regel mit Hilfe von kristalloider Kardioplegielösung erzielt wird und insbesondere bei Kindern zu einer vermehrten Volumenbelastung mit Elektrolytverschiebungen und Schwankungen im Säure-Basen-Haushalt führen kann. Die Arbeitsgruppe um Herrn OA PD Dr. Rüffer hat daher eine neue Form der modifizierten Blutkardioplegie entwickelt, welche nun auch zum Standard Repertoire unserer chirurgischen Abteilung gehört. Anhand einer tierexperimentellen Studie konnten beide Formen der Myokardprotektion, Beating- Heart-Methode und modifizierte Blutkardioplegie, validiert werden und deren Überlegenheit im Vergleich zur herkömmlichen kristalloiden Kardioplegie nachgewiesen werden. Die dazugehörigen Studien konnten erfolgreich im European Journal of Cardiothoracic Surgery und in den Annals of Thoracic Surgery veröffentlicht werden.

   

 

 

Die L.I.S.A-Studie

Bei Kindern mit angeborenen Herzfehlern hat die Krankheit häufig ein Leben lang Einfluss auf das Alltagsleben der Patienten und deren Familien. Damit die Kinder möglichst altersgerecht und uneingeschränkt am Leben teilhaben können, ist deshalb eine umfassende und auf Dauer angelegte Betreuung notwendig. Doch wie soll diese gestaltet sein und welche Komponenten sind für solch eine optimale Versorgung erforderlich? Die Kinderkardiologie des Universitätsklinikum Erlangen hat unter der Studienkoordination von Frau Dr. med. Helga Prießmann deshalb die L.I.S.A-Studie ins Leben gerufen.

L.I.S.A steht für: Lebensqualitätsdiagnostik bei Kindern und Familien mit angeborenen Herzfehlern – Interventionsmöglichkeiten und Einfluss einer Vernetzung von Stationären und Ambulanten Sektoren.

Als Maß ob Kinder und Eltern mit der derzeitigen Behandlung und ihrem Leben zufrieden sind, soll deren Lebensqualität mittels eines bereits existierenden und validierten Fragebogens erhoben werden. Bei erwachsenen Patienten ist die Erfassung der Lebensqualität üblich; in der Kinderheilkunde bislang noch nicht. Der Fragebogen wird den Patienten und ihren Familien 14 Tage nach einem stationären Aufenthalt aufgrund einer Herzoperation oder einer Herzkatheterintervention zugesandt. Ein multiprofessionelles Team bestehend aus Angehörigen verschiedener Berufsgruppen (Ärzte, Psychologen, Physiotherapeuten, Ernährungsberater etc.) ermittelt aus den Ergebnissen des Fragebogens ob Interventionen sinnvoll wären. Dies soll in enger Zusammenarbeit mit dem ambulant behandelnden Kinderkardiologen erfolgen – schließlich weiß dieser am besten wie der Alltag und die Ressourcen des Kindes sind.

Das große Ziel der L.I.S.A-Studie ist somit nicht nur die reine Erfassung der Lebensqualität, sondern es sollen aus den Ergebnissen konkrete ambulante Maßnahmen abgleitet werden, die die Situation der Kinder weiter verbessern können. So kann bei einem Kind, das in dem Fragebogen Auffälligkeiten beim Essverhalten zeigt, eine Ernährungsberatung sinnvoll sein. Um weitere Erkenntnisse bezüglich der Lebensqualität unserer kinderkardiologischen Patienten, während Ihres stationären Aufenthalts als auch zu Hause, zu gewinnen, wird diese derzeit im Rahmen einer Promotion untersucht und verglichen. Betreut wird diese Doktorarbeit von unserem Studienarzt Herrn Dr. Kaltwasser und Frau Dipl.-Psych. Burkhardt. In der nächsten Zeit soll unter anderem das Studiendesign weiter verfeinert, das multiprofessionelle Team zusammengestellt und geeignete ambulante Anbieter für die geplanten Interventionen gefunden werden. Während der Studiendauer sollen die Kinder und ihre Eltern regelmäßig erneut befragt werden Zudem ist eine Kontrollgruppe vorgesehen.

Wir sind natürlich auch auf Ihre Mithilfe angewiesen – denn nur in Zusammenarbeit mit dem universitären Kompetenznetz für angeborene Herzfehler in Nordbayern kann diese innovative und praxisorientierte Studie gelingen. Wir freuen uns mit der Studie im nächsten Jahr beginnen zu können und werden Sie weiterhin informieren.

Gut vorbereitet zur Operation

Steht unseren kleinen Patienten und ihren Eltern eine Herzoperation in unserem Haus bevor, bedeutet dies eine hohe Belastung und Ängste für sie. Eine gute Vorbereitung und Aufklärung ist vor so einem Termin besonders wichtig und kann helfen, Anspannungen zu reduzieren.

Als Eltern oder Hausarzt überlegt man, wie kann ich die Kinder auf diese Situation möglichst gut vorbereiten. Hierzu gibt es einige Empfehlungen:

Wenn Ihr Kind operiert wird, nehmen Sie sich Zeit, die Situation vorab zu erklären. Dabei kann man schon sehr kleinen Kindern sagen, dass etwas mit ihrem Herzchen nicht in Ordnung ist. Mit einem Kinder-Arztkoffer lässt es sich spielerisch in die Rolle Doktor und Patient versetzen. Auch Playmobil bietet Spielfiguren und Krankenhausausrüstung an. Ein Stück Pflaster oder eine Mullbinde erfüllen ihren Zweck aber genauso.

Außerdem gibt es nette Bilderbücher, die sehr anschaulich bei der Vorbereitung helfen können. Eine sehr kindgerechte und anschauliche Broschüre hat hierbei der Bundesverband Herzkranke Kinder e.V. erstellt, in der die Kinder spielerisch auf die Operationssituation vorbereitet und durch den Krankenhausaufenthalt begleitet werden. Die Broschüre kann kostenlos über den bvhk bestellt werden (Link: „Annas Herzoperation“).

Aber auch eine persönliche Erklärung hilft, den Kindern Ängste zu nehmen und gruseliegen Phantasien vorzubeugen. Wichtig ist dabei für die Kinder:

  • Vor der Operation werden sie in einen tiefen Schlaf versetzt und merken nichts von dem Eingriff.
  • Es ist normal, wenn sie sich mal schlapp oder müde fühlen, der kleine Körper braucht Zeit, um sich zu erholen.
  • Bei Schmerzen bekommt man eine Medizin vom Doktor. Das "kurze Aua" beim Blutabnehmen kann man leider nicht ganz vermeiden.
  • Mama und Papa dürfen tagsüber da sein, um zu kuscheln oder zu spielen.
  • Wenn alles gut überstanden ist, geht es nach der Operation besser als vorher. Beim Spielen und Toben werden sie nicht mehr so schnell müde und atemlos.

Allzu viele Einzelheiten sind nicht notwendig. Hier gibt es immer wieder Gelegenheiten zu weiteren Erklärungen.

Auch die Vorbereitung als Eltern ist essentiell, da sich große Ängste und Sorgen um das eigene Kind aufbauen können. Ein vorbereitendes Gespräch mit unseren Ärzten und eine ausführliche Aufklärung sind sehr wichtig. Sprechen Sie Fragen und Ängste offen an und lassen Sie sich gegebenenfalls weitere Hilfsangebote machen. Auch hier gibt eine vom bvhk kostenlos bereitgestellte Broschüre, die sie für sich bestellen können. Generell bietet die Website alles, was sie als Eltern wissen müssen und kann ihnen bei Fragen behilflich sein.

Sowohl Sie als Eltern als auch Sie als Arzt können und sollten sich und Ihre Patienten vor einer kardiologischen Operation gut vorbereiten. Sprechen sie offen miteinander und nutzen die zahlreichen guten Informationsbroschüren. Sollten darüber hinaus Fragen bestehen, ist unser Team gerne bereit diese im Vorhinein mit Ihnen auch persönlich zu klären.

Flüchtlingswelle

Saif mit seiner Mama

Die Flüchtlingswelle ist auch an der Kinderherzchirurgie und Kinderkardiologie nicht vorbei gegangen. Wir hatten in Folge der vielen neu diagnostizierten Herzfehler unter den zu uns gekommenen Flüchtlingsfamilien eine vermehrte Tätigkeit in Sachen Spätkorrekturen z.B. von Fallot-Tetralogien sowie AV-Kanälen. Die operative Behandlung dieser Kinder war dabei sicher nur die Spitze des Eisberges. Wesentlich mehr Kinder wurden bei Ihnen oder bei uns kinderkardiologisch vorgestellt um diagnostisch bei unklarem Herzgeräusch erst einmal abgeklärt zu werden.

Die erfolgreiche Behandlung aller Kinder mit angeborenem Herzfehler unter den Flüchtlingen erfüllt uns mit Freude und Stolz, wobei wir nicht vergessen, dass dies weder für uns noch für die Familien selbstverständlich ist. Auf unser Sozialsystem kommen dadurch Kosten hinzu, die auf lange Sicht nicht einfach zu bewältigen sind und die zum Teil schlecht gefüllten Sozialkassen noch zusätzlich leeren. Neben der logistischen Bewältigung der Flüchtlingswelle ist dies eine weitere Aufgabe, die die Politik noch zu lösen hat.

Unsere Aufgabe bleibt es bei aller Tragik, für glückliche Kinderaugen zu sorgen, wann immer dies möglich ist.

S.G. - Der besondere Fall

Aufnahme des inkompletten Thorakophagus

Im Sommer dieses Jahres wurden uns Ultraschallbilder von „Drillingen“ vorgestellt, wobei einer der „Drillinge“ einen Herzfehler (DORV vom Fallot-Typ) besaß. Nominell handelte es sich anhand der Diagnostik um drei Feten. Während eines der Kinder gesund war, so war der herzkranke Fetus mit einem inkompletten Thorakopagus belastet, der wenige Tage nach der Geburt von Professor Carbon erfolgreich abgetrennt wurde (siehe Fotos). Gleichzeitig musste die große Omphalozele des herzkranken Neugeborenen verschlossen werden. Kinderchirurgisch war die Patientin damit ausbehandelt. Bei relativ kleiner Größe und niedrigem Gewicht wurde unsere Fallot-Patientin mit Minprog behandelt, um die Lungendurchblutung bei hochgradiger infundibulärer Stenose abzusichern. Auslassversuche des Minprogs scheiterten jeweils. Der Versuch das Kind unter Minprog zu extubieren, war ebenfalls nicht erfolgreich, da eine doppelte Aortenbogenanlage vorlag, die eine tracheale Kompression verursachte. Nach Korrektur des doppelten Aortenbogens konnte die Patientin dann rasch ohne Stridor extubiert werden und wurde unter Minprog soweit „gepflegt und aufgepeppelt“ bis an einen chirurgischen Eingriff unter Zuhilfenahme der Herz-Lungen-Maschine zu denken war. Aufgrund eines spätpostoperativen Bridenileus musste die Patientin noch eine „kinderchirurgische Extrarunde“ drehen. Im Alter von 3 Monaten führten wir dann eine palliative Patcherweiterung des RVOT durch, nachdem ein Abtrainieren vom Minprog immer noch nicht möglich war. Primär war geplant eventuell sogar eine Fallot-Frühkorrektur durchzuführen. Dies erschien intraoperativ bei nur 3,8kg Gewicht und relativ fragilem „Ex-Frühchen-Gewebe“ zu riskant, sodass wir es bei einer Palliation beließen. Nach insgesamt relativ unspektakulärem postoperativen Verlauf mit einer „Extrarunde“ auf der Intensivstation konnte die Patientin dann doch, deutlich gebessert zu ihrem Geschwisterchen, nach Hause verlegt werden, wo sie jetzt auf einen Korrekturtermin im Alter von ca. 6 Monaten wartet. Vorher sollte noch eine Herzkatheteruntersuchung erfolgen, um zu sehen wie sich das Pulmonalarteriengefäßsystem mittlerweile entwickelt hat.

3D-Navigation in der Kinderkardiologie

Interventioneller Pulmonalklappenersatz mit 3D-Navigation

Die Behandlung von angeborenen Herzfehlern erfolgt heute auf sehr hohem Niveau und mit gutem Erfolgt. Dabei  sind die Risiken bei Operationen und Herzkathetereingriffen klar beschreiben. Jeder herzchirurgische Eingriff und jede Herzkatheterintervention ist in ihrer Komplexität und Komplikationsträchtigkeit für das Leben und die weitere Lebensqualität des Patienten entscheidend. Durch die perfekte Vorbereitung sollen deshalb eingreifende Maßnahmen optimal geplant, unterstützt und so verkürzt werden.  3D-Darstellungen erleichtern und erweitern das räumliche Verständnis der Anatomie angeborener Herzfehler.

Aus diesem Grund beschäftigt sich die Forschungsgruppe um PD Dr. med. Glöckler mit den Einsatzmöglichkeiten von dreidimensionalen Rekonstruktionen aus Schichtbilddatensätzen zur Diagnosedarstellung, Herzkatheter- und Operationsplanung sowie zur 3D-Navigation im Herzkatheterlabor.

Bei komplexen Herzfehlern wird in der klinischen Routine zur Behandlungsplanung eine Schnittbildgebung durchgeführt (MRT oder Dual-Source-CT). Diese Daten werden mit einem speziellen Programm (Mimics medical ®) aufbereitet, segmentiert und dann farblich kodiert als 3D-PDF gespeichert. Diese Modelle benötigen wenig Speicherplatz, sind schnell aufrufbar und von jedem Anwender selbst segmental von allen Perspektiven anzusehen.

Im Rahmen der präoperativen Planung werden in der interdisziplinären Fallkonferenz die 3D-Modelle präsentiert und tragen somit zu einer idealen Vorbereitung der kinderherzchirurgischen Operation bei.

Im Herzkatheterlabor war eine 3D-Navigation bisher nur möglich, indem während der Prozedur eine Rotationsangiografie durchgeführt und daraus ein 3D-Modell zur Navigation rekonstruiert wurde.  Im Rahmen einer aktuellen Kooperation mit der Firma Siemens Healthcare haben wir die Möglichkeit 3D-Daten aus MRT und CT ohne prozedurale 3D-Akquise durchzuführen. Hierbei wird das Herz in seine unterschiedlichen anatomischen Anteile sequenziert und zur besseren Visualisierung in unterschiedlichen Farben dargestellt. Es besteht intraprozedural die Möglichkeit, je nach Nutzen die anatomischen Strukturen einzeln oder beliebig kombiniert auf dem Fluoroskopie-Bildschirm im Herzkatheterlabor darzustellen.
Mit Hilfe der Modelle versprechen wir uns eine geringere Strahlenbelastung, einen reduzierten Kontrastmittelverbrauch sowie bessere Resultate bei der Stentversorgung.

Ein weiterer denkbarer Einsatz der 3D-Modelle besteht in der Aufklärung von Kindern mit Herzfehlern sowie deren Eltern. Die Morphologie von angeborenen Herzfehlern und die Auswirkund der strukturellen Besonderheiten auf die Hämodynamik sind für nicht spezifisch trainierte Personen schwierig zu verstehen. Mit Hilfe von 3D-Modellen können Herzfehler und deren Auswirkungen von den Patienten und Eltern besser und schneller verstanden werden.

 
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